Der Hattsteinische Schäfer wird an der Grenze zu Reifenberg von dem Pferd des Reifenbergischen Kellers Philipp Wissenbach verletzt. Es wird behauptet, er hätte sogar auf ihn geschossen, weil er angeblich auf Reifenbergischem Grund seine Schafe weiden ließ. Während der Schäfer und die Hattsteiner von Absicht sprechen, weist der Reifenbergische Keller eine Absicht zurück. In einem Schreiben, welches vermutlich dem Hattsteinischen Kellers gilt, antwortet er:

"Meinen Gruß liebe Hr. Keller

Ewer Schreiben, wegen Ewers Schöffers habe Ich empfangen, und ablesendt dessen Inhalt verstanden: Das Ich aber denselbigen auf Hattsteinisch Obrigkeit und Burgfriden mit einem Pferde übern Hauffen gerendt, und nach Ihme geschossen haben soll, bin ich mit nichten gestendig, sondern denselbigen auf ungezweiffelter Unserer Obrigkeit gleich eben an der Schmidten, auf ihren Aigenthümblichen Guetern, und habern Aeckern mit seinen Schaffen hüten funden: Weil dan Ich der Underthanen vilfaltiges Klagen, das sie solche Eweren Schäffer vilmals in der Güt gewarnet, und von solchem unillichen Werck abhalten wöllen, aber bey Ihme nichts erfangen können, sondern allezeit muttwillig und trotzig weiß, wen sie auf einem Ackher die Frucht aufgebundten, also gleich mit seinen Schaffen daruf gefahren, und unnutze Wort darzu außgesessen, mich erinnert, auch Ihreo Edl. und anders wo Ihr Edl. Oberigkeit auß- und angehet gewisen; wie das vor einem Jahr hattsteinischen Schultheissen den Fruchtzehendten, undern grossen Eichbaum da dan die Hattsteinische Obrigkeit sich endet, auch nicht gevolgt, und durchauß nichts gestanden worden, und noch:

Nunbt mich auch wunder, das man so unnöthige Stritt und Händel erreget, da man doch eigentlich und gewiß weiß, das den Hattsteinischen underm grossen Eichbaum niemals daselbsten nichts geburet, noch zu suchen befugt sein: Derowegen wir meiner Pflicht und tragenden Amptes halben, auch Handhabung und Schützung der Unterthanen und Erhaltung der Obrigkeit gebüren wöllen, Ihnen den Schäffer des unbillichen Uberfahrens darub abzusehen, und zu Ihme auf den Aeckher geritten, der meinung Ihnen Gefangen zu nehmen, als Er mich gesehen, ist Er in ein Thornheck gekrochen und die Schaff lauffen lassen, bin Ich bey Ihnen geritten, und Ihnen nicht bekommen können. Hatt das Pferdt unversehener weiß hinder sich getretten und Ihnen den Schäffer auf einen Schenckel getretten, dasIch aber solches mit Bleis gethan hab, das ist nichts, nach dem krigt Er durch die Heck, und fingt an zu lauffen, hab Ich in die Höh geschossen, und wenn ich mit vleis nach Ihme schissen wöllen bin nicht so weit von Ihm gewest, wolle Ihnen geiß woll troffen haben, darnach bin ich zum Pferg geritten, als Er die Schaff eingetrieben, und Ihme gesagt Er soll auf seiner Seiten bleiben, also wurdt Ihme nichts widerfahren, Er mir geantwort sein Herr haben Ihnen solches geheissen, welchem micht nicht wenig befrembt.

Das man allezeit mit dem Waydegang in andere Obrigkeit freiffen und faren will,und sonderlich ietzunder, das doch sonsten stritt und uneinigkeit zurichten hatt, und solt ihr daran nicht zweifflen, das mir nicht allein meines Ambtshalben solches zu leiden nicht gebüren will, sondern da solches wieder Erhoffen mehr geschehen wurdt, ein mehrers dargegen fürzunehmen, wan Ihrer Edl. genungsamen Befelch auflegen kann, welches ich alles lieber geüberigt sein woll, und das ein jeder auf dem seinen, und seiner Gerechtigkeit zu bleiben bevelchte, wurde solches alles underlassen, und kein weiter stritt erweckt: Das man den Schäffer auf einem Karch gefürt, ist mehrentehils Euere schuldt, das man Ihnen nicht alsobald dahin gehen lassen, und nicht in der Hitz 2. Tag aufgehalten, den Er noch genugsam lauffen kundt, und keines Pferdes vonnötten, als ich ihnen gesehen habe, zu dem ist Er auch dahin geritten und nicht gefarn: Solches habe Ich Euch zu wieder Antwort nicht verhalten sollen. Hiermit Gott bestellendt: Datum Reiffenbörgck den 28ten August Ao. 99

Philippus Wssenbach

Keller daselbst."

Obiges ist aus der Streitschift "Philip Georg von Hattstein contra Hans Heinrich von Reiffenberg", welche in den Hochtaunusblättern des Geschichtsvereins in den Heften #9, #10 und #11 abgedruckt ist.

[HTBL #11 - Hattstein contra Reifenberg - Species Facti]

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